Lesung Buchmesse Saar

Seltsame Zeiten, Künstler haben’s schwer, alle größeren Veranstaltungen fallen aus, bla.

Ihr kennt das.

Glaube ich. Falls nicht: Hört euch um, es ist kein Geheimnis.

Aber – und das ist ein großes ABER – es finden dennoch immer wieder schöne Veranstaltungen statt, meist im virtuellen Raum. Zum Beispiel die Buchmesse Saar, die aus den bekannten Pandemie-Gründen (wieder: Ihr kennt das …) nicht live durchgeführt werden konnte, sondern komplett im Netz ausgetragen wurde. Und zwar meisterhaft und mit beachtlichem Erfolg für eine Messe-Premiere.

Auch meine Wenigkeit durfte teilnehmen. Zusammen mit Germaine Paulus & Markus Heitkamp stellten wir die Basement Tales des Verlags The Dandy is Dead vor. Die Zusammenarbeit war mehr als entspannt und das Ergebnis ziemlich grandios.
Danke. liebe Kollegen! Danke, Dandy! Danke, Buchmesse Saar!

Beweise? Siehe Video!

Elende Liebe, elende – und Pisco Sour

Der zauberhafte junge Verlag Alea Libris erstellt und vertreibt sehr hübsche Buchboxen – und eine davon kommt mit der Anthologie A NIGHT ON THE ROCKS, zu der auch ich etwas beitragen durfte:

„1 Bar.*
12 Geschichten.
14 Cocktails.
Ein immer anderes Setting, und doch so gleich.
Eine Reise quer durch Cocktailkarte und literarischer Genres.
Fantastisch, gruselig, romantisch, spannend, anders – lehnt euch zurück und genießt …

*präsentiert von Chefbarkeeperin Michaela Harich“

Das Buch gibt es als Hardcover, Taschenbuch oder auch in der Buchbox mit diversen Goodies. Meine Erzählung dreht sich um unglückliche Liebe, berührende Lieder und Pisco Sour. Aber seht selbst:

… und noch ne Lesung

Seit meiner ersten Online-Lesung (der allerersten EVER! – siehe hier) ist viel passiert. Unter anderem zahlreiche Lesungen für und mit KOHI:digital, das DarkStream-Festival, das für alle Beteiligten ein sehr schöner Erfolg war, die Buchmesse Saar (dazu folgt auch noch ein Video!) und ganz frisch: ein Literaturclip für die Literarische Gesellschaft Karlsruhe!

Hier durfte ich eine kleine Geschichte über Buchladenlesungen, Männer namens Tom, hungrige Monster und unerwartete Retter in der Not vortragen.

„Fütterungszeit“

BAHNHOF

Ein kurzes Stück TextMusikUndFilm – „Bahnhof“, ein Fragment aus meinem (noch im Entstehen begriffenen) Roman „Emotionale Abfallprodukte“ und Teil unseres Beitrags zum diesjährigen DarkStream-Festival. (Und wo dieser Film herkommt, gibt es noch viel, viel mehr – seid gespannt!)

Enjoy!

DarkStreamFestival 2020

Das Jahr 2020 wartet mit ein paar ziemlich heftigen Herausforderungen auf – das dürften mittlerweile alle gemerkt haben. Aber zum Glück gebären Herausforderungen auch immer wieder kreative Ideen, deren Umsetzung auf einmal alles ein bisschen geiler macht. Eine solche Idee ist das DarkStreamFestival, das zu Pfingsten zum ersten Mal stattfand, als voller Erfolg gewertet werden kann und hoffentlich (gefälligst!) wiederholt werden wird.

Wie ebenfalls bereits bekannt sein dürfte, taten sich im Zuge des Festivals mein Partner in Art Jochen Bettgens alias <dE/mutE>, der Filmemacher Joe Bulla und ich zusammen, um in Windeseile (ungelogen: Wir hatten nicht viel Zeit bis zur Deadline …) ein Video zu fabrizieren, mit dem wir gegen all die großartigen Kollegen, die in jenen vier Tagen virtuell „auftraten“ zu bestehen hofften. Mit Erfolg, wie es scheint.

Wer das verpasst hat: Hier unser Beitrag in voller Länge und ganzer Pracht, inklusive der sehr charmanten Anmoderation von Mayjia Gille & M. Kruppe.

ÜBRIGENS: Wir sammeln im Zuge des Festivals Spenden für den Waggon am Kulturgleis Offenbach, einen kleinen, für uns aber durchaus sehr bedeutenden Kulturverein. Über https://paypal.me/demute könnt ihr den Waggon unterstützen. Wir freuen uns über euer Engagement!

Und spendet auch gerne etwas ans Darkstreamfestival, damit der Spaß auch bloß weitergeht: https://www.paypal.me/darkstream

Die allererste Online-Lesung

Oh, was war ich nervös, als ich am 27. April dieses merkwürdigen Jahres zum ersten Mal von meinem Wohnzimmer aus eine Lesung veranstalten durfte – (musste? sollte? konnte?)

Nun, es lief einigermaßen glatt und das Ergebnis lässt sich seither im Internet bewundern. Weitere Filmchen verschiedener Machart & Professionalität werden folgen – ihr dürft gespannt sein!

„Flammen über Karlsruhe“ – viel Spaß!

Darf ich vorstellen:

Ein neues Projekt ist geboren!

Dark-Ambient-Künstler Jochen Bettgens alias <dE/mutE> und ich haben ja schon vor einigen Jahren zusammen gearbeitet, um mit KALENDARIUM einen audiovisuellen Jahreszyklus in die Welt zu tragen. Das Projekt war schön, litt dann aber unter der räumlichen Trennung der Beteiligten und allgemeinem Leben. (Es ist aber definitiv nicht tot!)

Vor ein paar Monaten regte Jochen dann eine neue Zusammenarbeit an und zusammen mit dem Filmemacher Joe Bulla vertonten und bebilderten wir neue Texte aus meiner Feder. Besseres Equipment auf meiner Seite, ruhigeres Fahrwasser was oben erwähntes Leben angeht und ein rascher, sehr massiver Motivationsschub durch das DarkStream-Festival 2020, an dem wir uns beteiligen durften, deuten darauf hin, hier bald mehr präsentieren zu können.

Und – sobald das wieder möglich, legal & sicher ist – gerne auch mal als Live-Performance!

Behaltet uns im Auge – euch könnte gefallen, was ihr seht!

Ein Traum aus der Vergangenheit

Auf der Suche nach einer Handvoll Kürzestgeschichten, die beim Zusammenbruch meiner Seite leider mit über den Jordan gingen, die WaybackMachine bemüht und diesen seltsam detaillierten Traum gefunden, den ich keineahnungwann veröffentlicht habe:

Vergangene Nacht …

… stand ich – zum Glück nur im Traum – neben einem großen „Fußgängerzone“-Schild und wartete darauf, die Straße überqueren zu können. Da kam ein junger Irgendjemand auf einem Fahrrad und wollte meine Handtasche klauen. Die hatte ich allerdings so um mich geschlungen, dass sie nicht einfach von meiner Schulter rutschen wollte, sodass ich mitgezogen und mit ziemlicher Wucht gegen besagtes Schild geschmettert wurde, was, da es sich bei der Tasche um eine Armee-Kampftasche handelt, deren Gurt nicht reißen wollte, dazu führte, dass der Kerl, vom Schwung seiner schnellen Fahrt nach vorne drängend und vom Taschengurt, der an mir hing, die ich am Schild hing abrupt gebremst, blieb, wo er war – nämlich auf der anderen Seite des Schildes. Das Fahrrad dagegen fuhr weiter.

Die Wucht meines Aufpralls genügte, um mir ein grün-blaues Gesicht zu zaubern und meinen Backenzahn auszuschlagen, der mir bereits seit Wochen Probleme macht und den mein Zahnarzt übermorgen – im echten Leben, wohlgemerkt – einer Wurzelbehandlung zu unterziehen gedenkt. Tja, in meinem Traum war das nicht mehr notwendig, wohl aber eine sofortige Behandlung im Krankenhaus, da mit dem Zahnfleisch auch eine Eitertasche aufgerissen wurde, die sich bei ausbliebender Behandlung angeblich in mein Körperinneres ergossen hätte, so die behandelnden Ärzte, was schlimm hätte ausgehen können, sodass man zusammenfassend sage könnte, dass der verhinderte Taschendieb mir quasi das Leben gerettet hat.

Trotzdem waren mir seine wesentlich schlimmeren Verletzungen vom Fahrradsturz eine Genugtuung.

Beim Aufwachen schmerzte der elende Backenzahn.

Fragmente 4

»Erzähl mir etwas von dir, das merkwürdig ist. Eine bizarre Information. Aber sie muss wahr sein.«
Er lacht leise. »Bizarr? Wow, okay, lass mich überlegen …«
Schweigen. Ich lasse ihn nachdenken und sehe mich derweil im Zimmer um. Es ist mein altes Zimmer, hier bin ich aufgewachsen, aber es sieht nicht mehr so aus wie damals. Meine Eltern haben seit meinem Auszug renoviert, vielleicht sogar mehrmals, und dieses Zimmer – mein »Kämmerlein«, wie meine Mutter es immer genannt hat – ist jetzt ein GästezimmerSchrägstrichHauswirtschaftsraum: Ein schmales Bett und ein kleiner Kleiderschrank, die alt aussehen, bei denen es sich aber eindeutig nicht um meine alten Möbel handelt,
(vielleicht hat irgendein Nachbar ausgemistet und meinen Eltern die Sachen angeboten, die immerhin neuer und besser gepflegt sind als meine alten Sachen; der Schrank ist nicht voller Aufkleber aller Art und am Kopfende des Bettes sind keine Kerben eingeritzt, die anzeigen, wie lange ich noch ausharren muss, bis ich endlich meinen Schulabschluss habe und dieses elende Kaff verlassen kann)
ein Bügelbrett in der Ecke, daneben der zusammengeklappte Kleiderständer zum Trocknen der Sachen, der Staubsauger. Das einzig Vertraute ist mein alter Flickenteppich, der neben dem Bett liegt.
Ich streife meine Schuhe ab und vergrabe die Füße im warmen Stoff.
»Eigentlich«, setzt Enrico an, »musste ich jetzt nicht lange nachdenken. Mir sind nicht besonders viele Dinge im Leben zugestoßen, die man als ›bizarr‹ bezeichnen könnte.« Er lacht. Fröhlicher Enrico. Oh, du glücklicher Junge! Ich bin ein bisschen neidisch. Mir ist nach mehr Wein, oder vielleicht Schnaps. Nach Schlaf, nicht nach Lachen. Er scheint das zu spüren und will mich aufheitern.
Enrico, bist du etwa einer von den Guten?

Fragmente 3

Ein neuer Roman ist im Entstehen begriffen – schon seit nunmehr drei oder vier Jahren. Aber weil ja immer irgendwas ist, dauert es wohl noch, bis ich ihn auf die Welt loslassen kann. Ich gelobe mehr Fleiß & hoffe auf Fertigstellung 2020.
Weil es wieder ein Fragment-Roman wird, hier ein paar der (ungeordneten) Fragmente.

Diese beschissene Rumhängerei geht mir auf die Nerven. Ich werfe die staubige alte Wolldecke von meinen Beinen, ziehe meinen Bademantel über und gehe auf den Balkon, rauchen.
Der Balkon ist der einzige Lichtblick in dieser winzigen, versifften Bude. Er ist eher eine Art Dachterrasse, riesengroß, mit Meerblick – wenn man sich an eine bestimmte Ecke stellt und sich ein wenig vorlehnt und nach links schaut. Dann erkennt man einen schmalen Streifen Sand und dahinter das Blau des Wassers, das manchmal eher ein Grau ist und manchmal weiß. An stürmischen Tagen sieht man die Wellen, kleine weiße Schaumkronen auf Linien, die zum Strand rollen und aus dem Blickfeld verschwinden, ehe sie eine brechen. Es riecht nach Salz.
Ich laufe auf und ab, drehe meine Runden wie in einem Käfig. Der Käfig, das ist doch am ehesten meine Faulheit, mein Mich-Verstecken vor der Welt und den Leuten, die in dieser Stadt ebenfalls ihre Runden drehen, größere Runden, vorgeblich sinnvoll: Morgens zur Arbeit, mittags zum Essen, abends nach Hause, dann in die Bar oder ins Kino oder ins Theater. Dann ins Bett und alles wieder von vorne.
Auf einem der Stühle liegt Renzo, alle sechs Beinchen von sich gestreckt. Er hat einen langen Strohhalm im Mund und trägt ein Partyhütchen auf dem Kopf. Er grinst mich an und wackelt mit einem Bein, um mich zu begrüßen.
»Verpiss dich!«, rufe ich und werfe meine halb gerauchte Kippe in seine Richtung. Die Glut brennt ein weiteres Loch in den schäbigen Bezug. Kein Renzo mehr. Gut so.
Ich hebe die Kippe auf und schmeiße sie in den großen Aschenbecher auf dem Tisch, den wir neben die Tür gestellt haben.
Bloß keinen Ärger mit den anderen Bewohnern dieses Dreckshaufens von Wohnung kriegen.
Die letzten Sonnenstrahlen ziehen sich langsam von den alten Steinplatten zurück, kriechen über die Balustrade, werden bald verschwinden und Nacht zurücklassen. Es war ein heißer Tag, hell und wunderschön. Jetzt erhebt sich eine leichte Brise vom Wasser und bringt den Duft von Salz und dem Rhododendron, der üppig die Küstenstraße säumt.
Paradies.
Eigentlich.
Im Grunde waren die letzten drei Jahre gut.